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Hin Van Tran

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Occupy Wall Street_November 13, 2011
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Bartleby, the Scrivener

Oder man kann es vielleicht auch einfach nach Epigramm aus Fischerhude 1979 von Siegfried Mrotzek sagen:
«Wer nichts mit sich machen lässt, hat schon viel aus sich gemacht.»

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Herman Melvilles Erzählung «Bartleby the Scrivener» führt viele interessante Charaktere mit vielen verschiedenen Persönlichkeiten zu uns. Es ist das erste Werk, das Melville nach «Moby Dick» schrieb, und wurde 1853 in Putnam’s Monthly Magazine veröffentlicht. Viele Kritiker sehen in ihr Melvilles beste Erzählung. Sie weist aber auch auf das 20. Jahrhundert, vor allem auf Kafka, voraus. Selbst Hannah Arendt bezieht sich in ihrem Werk «Die Banalität des Bösen» über den Eichmann Prozess auf Melvilles Charakter «Bartleby».Von Ginger Nut, Turkey und Nippers, und der ältere Rechtsanwalt an der Wall Street, der die Geschichte erzählt, ist der geheimnisvollste jedoch Bartleby. Bartleby ist ein Schreiber, der, in einfachen Worten, eine menschliche Version eines modernen Kopierers ist. Er ist ein Mann weniger Worte. In der Tat ist er ein Mann von einem Satz: «Ich würde es vorziehen, nicht zu tun./ I would prefer not to.» Er sagt dies als Reaktion auf alles, was von ihm verlangt wird ausser dem Dokumente zu kopieren. Wie sich diese Arbeitsverweigerung auswirkt, die aber nicht vehement mit «I will not» ausgesprochen wird; sie wird auch nicht begründet, endet schliesslich tragisch.Bartleby ist einer der schweigsamsten Titelhelden der Weltliteratur. Keiner im Büro, auch nicht der Erzähler selbst, obwohl er sich bemüht, versteht die Weigerungshaltung Bartlebys. Die Verhältnisse unter den Arbeitern und erst recht zwischen den Reichen und Lohnabhängigen erlauben kein gegenseitiges Verständnis. Dabei ist Bartleby fast ein Vorzeigearbeitnehmer. Er arbeitet ständig; er lebt am Arbeitsplatz; er hat anscheinend keine Wohnung, sondern verbringt seine Zeit, sich auch dem Konsum und Abwechslungen der Grossstadt verweigernd, im Büro.Bartleby entzieht sich eindeutiger und einfacher Interpretation. Die Gründe für Bartlebys Weigerung nennt weder er noch der Erzähler, noch der Autor. Die Unabhängigkeit von der Autorität braucht keine Begründung. Bartleby behält seine Handlungsfreiheit um jeden Preis. Er verweigert sich zunächst dem Korrekturlesen, dann weiteren Aufgaben; er verweigert «normale» Sozialisation. Er weigert sich seinen eigenen Job aufzugeben: er bleibt und die Anwaltskanzlei zieht aus. Es gipfelt in der Verweigerung der Nahrungsaufnahme, was schliesslich zur Lebensverweigerung und zum Tode führt.Bartleby gibt ein frühes Beispiel für passiven Widerstand im Sinne Mahatma Gandhis. Dessen Taktik gegenüber den Briten beruhte auf »Asahayoga« (»Nichtbeteiligung«, »Non-Cooperation«). Bartleby spricht, wenn überhaupt, nur nach Aufforderung. Und wenn er antwortet, dann kurz mit «No» oder «I prefer not to». Dabei ist nichts so provozierend wie passiver Widerstand. Notar: «Nothing so aggravates an earnest person as a passive resistance». Der Notar fühlt sich dadurch «disarmed» und sogar kastriert: «Indeed, it was his wonderful mildness chiefly, which not only disarmed me, but unmanned me, as it were.»

Occupy Wall Street_November 13, 2011

Die Absage an die damalige Wohlstandsgesellschaft betrifft das Dogma, man muss soviel arbeiten, damit man sich alles, was die Gesellschaft suggeriert, leisten kann. Man muss angebotene Chancen wahrnehmen. Wer es heutzutage nicht tut und trotz Befähigung auf etwas bewusst verzichtet, aus welchen Gründen auch immer, wird schief angeschaut. So zumindest Bartleby. Oder man kann es vielleicht auch einfach nach Epigramm von Siegfried Mrotzek aus Fischerhude 1979 sagen: «Wer nichts mit sich machen lässt, hat schon viel aus sich gemacht.»

Quellen:
http://www.bartleby.comhttp://www.lesekost.de/us/HHLUS04.htm
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Auswahl
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Fake-Kundendienst auf Facebook

Eigentlich wird Kundendienst-Mitarbeitern eingebläut, mit stoischer Geduld und Freundlichkeit auf noch so dumme Beschwerden zu antworten. Was passiert aber, wenn man sich als Kundendienst des Unternehmens ausgibt und genau das Gegenteil macht?

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Architektur

Von archtektonische Utopien bis zu deren dystopischen Filmen und noch vieles mehr...

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Archtektonische Utopie: Die vertikale Stadt

Fernsehbeitrag: www.youtube.com/watch

Die Architektur von Weltraumbasen:

Vincent Fournier http://www.vincentfournier.co.uk/site/index.php?r=slideshow/view&id=5

Architektur in utopischen und dystopischen Filmen

Verschiedene Artikel: www.archdaily.com/category/films-architecture/

Hybride Zonen: Kunst und Architektur

Eine Forschungsarbeit zum Thema „Kunst am Bau“ von Sibylle Omlin und Karin Frei Bernasconi:

www.buchlounge.ch/index.php/ch/Landschaftsarchitektur/Stadt/Hybride-Zonen.-Kunst-und-Architektur-in-Basel-und-Zuerich

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Filmtipp
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Alter Ego

Alter Ego nimmt Sie mit auf eine Reise zu 9 großen Städten dieser Welt, in 7 verschiedene Länder, und in das Leben von einigen sehr leidenschaftlichen Individuen, die sich mit ihren geschriebenen Identitäten, an der Grenze von Kreation und Zerstörung, Kunst und Vandalismus bewegen.

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Throws Pieces sind Teil fast jeder großen Metropole dieser Welt, und mehr oder weniger Teil unseres täglichen Lebens. AlterEgo nimmt Sie mit auf eine Reise zu 9 großen Städten dieser Welt, in 7 verschiedene Länder, und in das Leben von einigen sehr leidenschaftlichen Individuen, die sich mit ihren geschriebenen Identitäten, an der Grenze von Kreation und Zerstörung, Kunst und Vandalismus bewegen. Die Kamera folgt ihnen an Orte, die man normalerweise nicht so einfach zu Gesicht bekommen würde, begleitet sie sowohl bei ihren urbanen Missionen als auch in ihre Ateliers und ihr Zuhause. Die Protagonisten sprechen über deren Motivation den öffentlichen Raum für ihren persönlichen Ausdruck zu nutzen, ihre Sichtweise auf Rolle und Position Graffitis in der Kunstwelt und den Einfluss der Werbung, auf die Gesellschaft, die den öffentlichen Raum einnimmt. Diese weltweite Dokumentation gibt uns einen intimen Einblick in die Details einer zurückgezogenen und öffentlichkeitsscheuen Bewegung, die gleichzeitig wohl die größte Kunstbewegung aller Zeiten ist, und dennoch oftmals nicht als solche verstanden wird. Die meisten der Protagonisten verfolgen derzeit eine professionelle Karriere, entweder als Künstler oder Designer, aber auch in Berufsfeldern die nicht einmal entfernt mit Kunst zu tun haben. Sie kommen aus verschiedenen sozialen Umfeldern, verschiedenen Ländern und Kulturen. Aber Sie haben eine Gemeinsamkeit in der alle diese Unterschiede unwichtig werden – ihre Liebe für die Kreation ihres Ausdrucks und alles was damit zusammenhängt. Portraitiert werden folgende Künstler: DAIM, Cantwo, Ewok, FDC, Herbert Baglione, Just, Krush, Nunca, Order, Saber, Smash 137, Steven Grody, T-Kid, Zak, Askew, Caib, Caligula 2009

Laufzeit: 63 min.
Produzent / Regie: Daniel Thouw
Link zum Film
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Tipp
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Schluss. Aus. Feierabend.

Der Slogan klingt wie aus dem vergangenen Jahrhundert, und von dort stammt er auch: „Samstags gehört Vati mir.“ Mit ihm kämpfte der Deutsche Gewerkschaftsbund 1956 für die Fünf-Tage-Woche.

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Der Slogan klingt wie aus dem vergangenen Jahrhundert, und von dort stammt er auch: „Samstags gehört Vati mir.“ Mit ihm kämpfte der Deutsche Gewerkschaftsbund 1956 für die Fünf-Tage-Woche.

Aber ist der Slogan wirklich so aus der Zeit gefallen, wie er klingt? Wäre es nicht im Gegenteil höchste Zeit, ihn aus dem Plakat- archiv politischer Parolen hervorzukramen? Natürlich – keine Sorge, liebe Kolleginnen – in einer gegenderten Version: Samstags gehören Mutti und Vati mir. Mehr.

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Musikindustrie unter der Lupe

«Als nicht gewinnorientierter Verein vertreten wir die Interessen unserer Mitglieder in allen Belangen des Urheberrechts, der Leistungsschutzrechte, der Bekämpfung von Missbräuchen und arbeiten mit den gesetzgebenden Instanzen sowie mit Kreisen zusammen, die ähnliche Interessen verfolgen.»

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«Als nicht gewinnorientierter Verein vertreten wir die Interessen unserer Mitglieder in allen Belangen des Urheberrechts, der Leistungsschutzrechte, der Bekämpfung von Missbräuchen und arbeiten mit den gesetzgebenden Instanzen sowie mit Kreisen zusammen, die ähnliche Interessen verfolgen.» So steht es als Begrüssung auf der Homepage und man muss dieser Tage kein Schelm sein, um sich bei den Begriffen «Interessenvertretung» und «Kreisen mit ähnlichen Interessen» eher an düster-verschwurbelte Formulierungen aus einem Mafia-Film erinnert zu fühlen als an die Selbstbeschreibung eines schweizerischen Wirtschaftsverbandes. 

In der Schweiz geht es gerade nicht mit rechten Dingen zu

Es liest sich wie eine Mustervorlage für Lobbyverbände: «Als nicht gewinnorientierter Verein vertreten wir die Interessen unserer Mitglieder in allen Belangen des Urheberrechts, der Leistungsschutzrechte, der Bekämpfung von Missbräuchen und arbeiten mit den gesetzgebenden Instanzen sowie mit Kreisen zusammen, die ähnliche Interessen verfolgen.» So steht es als Begrüssung auf der Homepage und man muss dieser Tage kein Schelm sein, um sich bei den Begriffen «Interessenvertretung» und «Kreisen mit ähnlichen Interessen» eher an düster-verschwurbelte Formulierungen aus einem Mafia-Film erinnert zu fühlen, als an die Selbstbeschreibung eines schweizerischen Wirtschaftsverbandes. Die IFPI Schweiz ist der Dachverband der dortigen Musikindustrie. Der Tonträgerumsatz in der Schweiz ist aus deutscher Sicht eher beschaulich, lässt sich auf grob ein Zehntel veranschlagen, aktuell irgendwo im Bereich um 150 Millionen Euro. Die Verbindungen zu deutschen Plattenfirmen sind eng, vor allem im Majorbereich, denn natürlich werden deutsche Stars auch in weiten Teilen der Schweiz vertrieben und vermarktet. Man kann den Schweizer Musikmarkt so auch als eine Art Anschauungsmodell betrachten, alles ist kompakter, kleiner ausgelegt, übersichtlicher. Und wer im Moment genau hinschaut, kann Erstaunliches entdecken: ein Kartell, das die Charts manipuliert, Konkurrenten heraushält, «Steuersparmodelle» anwendet, die Medien gern am Gängelband hätte und in dem man sich gern gegenseitig die Taschen füllt. So zumindest die Vorwürfe, die jetzt handfest im Raum stehen. Die Anzahl der Mitglieder der IFPI ist mit 31 Labels und Vertrieben sehr überschaubar, dazu gehören natürlich auch alle «Majors». Nicht dazu gehören darf die Firma iMusician Digital, eine digital aufgestellter Vertrieb, der immerhin rund 5.000 Künstler in den einschlägigen Online-Stores unterbringt. Shigs Amemiya ist der Chef der Firma, seit gut einem Jahr legt er sich mit der IFPI an. Jetzt hat er erreicht, dass die Schweizer Wettbewerbskommission eine Untersuchung gegen den Branchenverband anstrengt. Auslöser war ein Hit der Band Da Sign & The Opposite, der von iMusician Digital vertrieben wird. «Slow Down Take it Easy» war 2009 der Song einer Verkehrssicherheitskampagne und – so zumindest hört man aus der Schweiz – äusserst präsent. Die Verkaufszahlen waren sehr gut, wochenlange Spitzenplätze in den iTunes-Charts belegen das. Ein klarer Fall für einen Einstieg in die offizielle Schweizer Hitparade – sollte man meinen. Aber nichts da. Ermittelt wird die Hitparade von der Firma Media Control, und zwar im Auftrag der IFPI. Wobei man den begrifflichen Kern von «ermitteln» offensichtlich nicht so wörtlich nehmen darf. Das Regularium, nach dem die Hitparade entsteht, wird nicht veröffentlicht. Klar ist nur, dass es keine flächendeckende, statistisch saubere und vor allem unabhängige Erhebung gibt. Möglich scheint dabei nicht nur, den Song eines Konkurrenten aus der Hitparade herauszuhalten, sondern auch, einen hineinzubringen. Das zumindest legt der Fall TinkaBelle nahe.

Aus dem Nichts heraus landete der bis dato völlig unbekannte Act des Majors Warner im September 2010 auf Platz zwei der Charts. Pikant dabei: Drummer der Band ist Andy Renggli – General Manager der Media Control in der Schweiz und früher bei der schweizerischen Warner. Enge Beziehungen hegt er zu seinem früheren Warner-Kollegen Chris Wepfer, jetzt Chef der schweizerischen Phononet, des Promotion- und Vertriebsnetzwerks der Majors, das eine Schlüsselstellung einnimmt, wenn es gilt, Musik in Läden und Medien zu positionieren. Die Vermutung, TinkaBelle sei ein gemeinsames Projekt der Marktinsider, liegt zumindest nicht allzu fern. Das ursprüngliche Prinzip der Charts – Erfolg abzubilden – hat sich natürlich schon lange ins Gegenteil verkehrt. Wenigstens nach den kommerziellen Kriterien der Musikindustrie benötigt man erstmal einen Charteinstieg, um überhaupt bekannt und damit potenziell erfolgreich zu werden. Jahrzehntelang drehte sich die Veröffentlichungspolitik von Popmusik demzufolge um das eherne Gebot, einen schnellen und möglichst hohen Charteinstieg zu erreichen. Denn nur der sichert eine Präsenz in den Medien, die sich wiederum auf die Verkäufe auswirkt. Manipulationsversuche gibt es in allen relevanten Musikmärkten zuhauf, beginnend bei der überall gern kolportierten Story vom Manager einer Band, der in den chartsrelevanten Läden Stapel von CDs seiner Künstler kauft. Auch in der Schweiz gab es in den Neunzigern einen aktenkundigen Fall. Eine Insider-Manipulation wäre hingegen eine ganz andere Liga. Aber was sind solche Charts noch wert? Eine Menge Geld. Denn die «Offizielle Schweizer Hitparade» ist eine Marke, deren Nutzung verkauft wird. Zum Beispiel an DRS3, das wichtigste Musikradio der Schweiz, öffentlich-rechtlich organisiert und demzufolge mit öffentlichen Mitteln finanziert. Deren allsonntägliche Ausstrahlung der Hitparade verleiht der erst die eigentliche Marktmacht. Musikchef von DRS3 ist Michael Schuler, von dem man wissen sollte, dass er erst 2006 zum Radio kam. Vorher war er bei – klar – der Musikindustrie, zum Beispiel als A&R bei der damaligen SonyBMG. Schwer vorstellbar, dass er nicht schon damals Einblick in die zweifelhafte Charterhebungs-Praxis hatte. Gegenüber der NZZ – deren Sonntagszeitung hatte das Thema am 10. April aufgegriffen – forderte er jetzt allerdings dringende Aufklärung über das Charts-Reglement. Ob der Ausschluss von Konkurrenten auch offiziell ein Verstoss gegen das Schweizer Kartellrecht ist, wird jetzt zumindest vorgeprüft. Hellhörig sind aber auch deutsche Steuerbehörden geworden. Ziel des Interesses: die Firma IPGate. Die verfolgt im Auftrag der IFPI sogenannte «Urheberrechtsverstösse» – im Volksmund: Raubkopierer – und treibt saftige Schadenersatzzahlungen ein. Geschäftsführer und Minderheitsaktionär der IPGate ist Beat Högger – der Geschäftsführer der IFPI. Hauptsächliche Besitzer der IPGate sind jedoch Deutsche. Die müssten ihre Einkünfte in Deutschland versteuern, wenn sie nicht davon freigestellt würden, weil – vereinfacht formuliert – die Geschäftstätigkeit vorwiegend im Ausland stattfindet. In dem Fall allerdings ganz schlecht: Eine Briefkastenfirma in der Schweiz ohne eigene Adresse und ohne eigene Angestellte. Genau das liesse sich allerdings unschwer vermuten, wenn die Adresse der IPGate in der Schweiz identisch wäre mit der IFPI und wenn die Arbeit ausschliesslich von IFPI-Angestellten erledigt würde. So, wie es offensichtlich bis 2009 der Fall war, bevor die IFPI eine quasivirtuelle Adressänderung vornahm (und im gleichen Haus verblieb) und gleichzeitig dafür sorgte, dass zwei Arbeitsplätze mehr oder weniger pro forma von der IFPI an die IPGate wechselten. Berichtet hatte darüber Anfang April die Aargauer Zeitung, die damit scheinbar in ein Wespennest stoch; der faktenreiche und mit Dokumenten unterfütterte Artikel verschwand – vorerst, so der Autor – nach kurzer Zeit aus dem Webangebot der Zeitung, nachdem die IFPI sich meldete und Rechtsmittel androhte. So kann es also zugehen in der kleinen Schweizer Musiklandschaft. Beschaulich nennt das niemand mehr.

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Zu Beginn des Zeitalters der totalen Mobil-
kommunikation (1990)

Die Sendung «Menschen Technik Wissenschaft (MTW)»; des Schweizer Fernsehens berichtet am 4.10.1990 über die Einführung der Natel-D-Mobiltelefonie. Im Rückblick betrachtet, hat sich die visionäre Sicht über den zukünftigen Mobilkommunikations-Alltag mehr als bewahrheitet.

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Die Sendung «Menschen Technik Wissenschaft (MTW)»; des Schweizer Fernsehens berichtet am 4.10.1990 über die Einführung der Natel-D-Mobiltelefonie. Als Ersatz der Natel-C-Technologie soll mit dieser Weiterentwicklung über Kommunikationssatelliten in ganz Europa mit sogenannten «Taschentelefonen»; telefoniert werden können. Die Fernsehmacher stellen sich im Beitrag vor, wie in der Zukunft in allen Lebenslagen telefoniert werden wird. Im Rückblick betrachtet hat sich die visionäre Sicht über den zukünftigen Mobilkommunikations-Alltag mehr als bewahrheitet.

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«May» – Phillipe Parreno

Philippe Parreno hat im Verlauf der letzten zwanzig Jahre ein wechselvolles und komplexes Werk geschaffen, das voll von Bezügen, mentalen Evokationen und Verhandlungen der Spielarten von Literatur, Philosophie, Science Fiction, dem Film, des Theaters, der Informationsformate wie Radio, Fernsehen und Internet ist.

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Philippe Parreno hat im Verlauf der letzten zwanzig Jahre ein wechselvolles und komplexes Werk geschaffen, das voll von Bezügen, mentalen Evokationen und Verhandlungen der Spielarten von Literatur, Philosophie, Science Fiction, dem Film, des Theaters, der Informationsformate wie Radio, Fernsehen und Internet ist. Auffällig ist, dass nicht die Konventionen der visuellen Kunstgeschichte, also der Malerei und Skulptur, verhandelt, sondern durch das Spiel mit Zeit, Prozessen und Formaten, die klassischen Vorstellungen von Kunst erörtert werden. Dabei nehmen Erinnerungen und Projektionen immer wieder eine wichtigere Rolle ein als das Objekt selbst. 

«This film lasts for 11 minutes and 40 seconds but 48 hours after being removed from its sealed package it will disappear from the support through a process of oxidation. The film has stereo sound and a song featured at the end. There are no computer generated special effects in this production. What you see in the picture was constructed in order to be filmed. This is a story of a film that produced a building and the story of an architecture which provided the scenario for a film. The film is one element of a a two-headed mutant, one of two inseparable twins who share the same body. The building does exist somewhere in South East Asia.»

Diesen Klappentext schrieb Philippe Parreno für den Film «The Boy from Mars» (2003), den der Künstler 2005 in der Friedrich Petzel Galerie in New York zeigte. Er platzierte DVDs des Films in einer Bücherwand und gab sie als Geschenk an die Besucher ab. Der sich nach Öffnen der Packung auflösende Film bildete zusammen mit der Bücherwand eine Arbeit, die den Eingang zur Ausstellung in der Galerie blockierte. Durch einen mysteriösen Drehmechanismus öffnete sich die Wand wie eine Schwingtür und gab Einlass in einen Raum, in dem die Gemeinschaftsarbeit von Philippe Parreno und Rirkrit Tiravanija gezeigt wurde.

Die beschriebene Installation und der genannte Film stehen für zentrale Themen im Werk des Künstlers: So ist eine herausragende Eigenschaft die Transformation von Genres, besonders die des Films in das Format der visuellen Kunst. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Untersuchung des Themas der Ausstellung per se. Eine «Retrospektive» des Künstlers muss also eine Ausstellung als zentralen Gegenstand seiner Auseinandersetzung erfahrbar machen und ist mehr als eine Liste chronologisch relevanter und repräsentativer Werke.

Parreno schafft Situationen, die es den Dingen erlaubt, eine andere Form anzunehmen, wodurch spielerisch Neues in der bildenden Kunst etabliert wird. Diese Dinge werden genährt von den Geistern kunstfremder Formate: Er lässt sie zu Kino, Philosophie, Literatur, Wissenschaft oder Fiktionen werden, begrüsst und engagiert Mutanten und Hybride, die Imagination von Kreaturen und Wesen, die ihre Form in unserer Fantasie und Wahrnehmung immer wieder ändern. Dazu gehören Feen, Monster, Freaks, Geister und Gespenster, Phantome, Bauchredner, Doppelgänger, Hypnotiseure und Seher, Kinder, Roboter und andere intelligent handelnde Maschinen. Sie alle üben in den Werken imaginativ verwandelte, theoretisch begründete Kritik an den konventionellen Formaten von Exponat und Ausstellung mit den Mitteln des Märchens, des Films und der kollektiven Kreativität. 

Der Künstler kreiert selbstständige (Film-)Wesen, und er verortet seine Ausstellungen in der Zeit wie im Titel «May» angedeutet. In einer kontinuierlichen Transformation seiner Arbeiten findet Parreno zu immer neuen Formaten und Modellen möglicher Ausstellungsformen: Die Geister seiner Arbeiten kehren als Protagonisten ihrer eigenen Identität zurück.

Die Ausstellung in der Kunsthalle Zürich gibt einen Einblick in das Werk des Künstlers mit Arbeiten, die von den 1990er Jahren bis heute entstanden sind, auf mehreren erzählerischen und evokativen Ebenen: Neun «Marquee»-Arbeiten, die seit 2007 entstehen, verwandeln die Räume in ein glühendes Feld von möglichen Eintritten ins Filmtheater. Sie ähneln den mit Glühbirnen bestückten «Vordächern» der Entertainment-Kultur der Welt und sind ergänzt durch die Leuchtreklame «Boy from Mars» (2005), die den gleichnamigen, ebenfalls in der Ausstellung gezeigten Film von 2003 ankündigen könnte. Eine Reihe von Zeichnungen zieht sich als parallele Erzählung durch die gesamte Ausstellung: Monster, die der in New York lebende Kinderbuchillustrator Johan Olander zum Werk Philippe Parrenos entwickelt hat – Interpretationen eines Gesamtwerks – mutieren zu komischen, bedrohlichen, schockierenden und erheiternden Ungeheuern. Sie werden von Parreno selber nochmals neu gezeichnet werden, der hierdurch einen Doppelsalto der Interpretation veranstaltet. So stehen die Monster in Kommunikation mit Arbeiten, die Sprache, weit verzweigte Erzählungen oder Fiktionen als Geister anwesend sein lassen: Hunderte von Ballonen in Form von Sprechbla-sen, Glaslautsprecher, Marionetten, Fotografien vom Künstler, der zu Tieren spricht, ein Film, der «ein Gebäude produziert» hat und zahlreiche Geschichten, die die Monster der Zeichnungen beginnen wollen…

Philippe Parreno, geboren 1964 in Oran/Algerien, lebt und arbeitet in Paris. 
© Copyright Kunsthalle Zürich 2009

 

27. Januar 2010
27. Januar 2010
23. Februar 2010
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«Script 2010» – Lauren McCarthy

Jeden Tag entwickelte eine Community im Internet das «tomorrow script», in dem die Künstlerin Anweisungen erhielt, wie der nächste Tag verlaufen sollte. Um Mitternacht wurde das «tomorrow script» geschlossen und zum «today script». Das Archiv der Scripts liest sich wie ein Tagebuch, geschrieben von fremden Händen, einen Tag im voraus.

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Das Tagebuch vom nächsten Tag

Vom 27. Januar bis zum 23. Februar 2010 verlief das Leben der Künstlerin Lauren McCarthy nach einem vorgegebenen Drehbuch. Jeden Tag entwickelte eine Community im Internet das «tomorrow script», in dem die Künstlerin Anweisungen erhielt, wie der nächste Tag verlaufen sollte. Jeder war eingeladen, auf der Website der Künstlerin am Drehbuch des nächsten Tages mit zu arbeiten, Dialoge zu entwerfen, Sets und Kostüme zu bestimmen oder Regieanweisungen zu geben. Um Mitternacht wurde das «tomorrow script» geschlossen und zum «today script». Das Archiv der Scripts liest sich wie ein Tagebuch, geschrieben von fremden Händen, einen Tag im voraus.Die Scripts mit ergänzenden Kommentaren der Künstlerin können auf ihrer Website nachgelesen werden.

27. Januar 2010 23. Februar 2010

Script: February 2, 2010

????[Setting: bedroom, 6am. LAUREN wakes up, gets dressed to go running.][Setting: sidewalks of Westwood 8:00 am. LAUREN is running. The weather is warm and sunny. Lauren thinks about her friends who complain about living in cold places with miserable weather. She feels glad about sunshine and decides to try and really FEEL the sun today. She wonders if being cold is really that bad. She decides to take a freezing cold shower to see if it really bothers her, and then tweet about how it feels.][Setting: UCLA gym shower, 9am. LAUREN showers, alone with her thoughts. She decides that today she will break the script in one location of her choosing, she will leave something in the script but not perform it. She also decides to try to focus on whatever she is doing at the moment during the day – while she is working, she’ll work, while she is eating, she’ll eat. She won’t be thinking about other things.][LAUREN stops on the way to studio to buy something to drink. She has an extended conversation with the person at the cash register.][LAUREN wants to experiment with touch in communication – she decides to hug people today. Lauren holds most people for a 5 count, mentally recording how the length of the hug affects both parties involved.][Setting: CASEY’s office, 11:30am. LAUREN meets with CASEY.]LAUREN: Hi, Casey.LAUREN: [Taking out her phone] Do you mind if I record this conversation?LAUREN: So this is one project I’m working on… This is a performance, all of it, to some degree. It was scripted yesterday, by a number of different people.LAUREN: [Pulling out her computer.] What I mean is…LAUREN: See here is the script, and here is the part where we are right now… [LAUREN explains project further.]CASEY: [Thinks for a few seconds then proceeds to ask many questions rapidly.]LAUREN: [Leaving CASEY’s office] Thanks, Casey. See you later.[Setting: 4th floor computer lab, 12:30pm. LAUREN holds office hours.][Setting: Franz Hall elevator, 1:55pm. After a few weeks of staring at each other during their mutual Metacognition class, LAUREN and DAWN finally have a real conversation.][Setting: Franz Hall, 2pm. LAUREN sits down in her metacognition class.][Setting: grad studio, 3:30pm. LAUREN returns from class.] She pulls out her HERO and decides to call her brother JACKLAUREN: Hey Jack, any news on the log-in issue with the soccer website? I would really like to get this off my plate. You know if you guys can’t figure out this glitch, I’m going to have to start charging you for the down time. For an MIT-trained computer sci-major, that would net out at something like $180 and hour, I think. Please tell THAT to your frat brothers, thank you.[After hanging up the phone, she decides to text her mom.]LAUREN: [texting] PLEASE DON’T volunteer me for anymore webmaster jobs, thank you. Love, Lauren.[Discovering yesterday that she doesn’t own very many colorful clothes, LAUREN decides to order some more online. She wonders if pink could be become her new fav color.][Setting: restaurant, 5:30pm. LAUREN arrives at weekly meeting with studio class. LAUREN is much more mellow and less worked up than normal in class today. She wonders if it’s just because of the script, the beer, or a slight shift in perspective…or some combination of all three?][Setting: Lauren’s apartment, 9:30 pm. LAUREN thinks about how many people she hugged today, feels mildly uncomfortable and thinks about ways to offer hugs without actually touching people. She wonders if this is normal, thinks about it….forgets what she was thinking about, and decides to have some Kashi.][Setting: LAUREN’s apartment, 10:30 pm. LAUREN finds some overripe bananas and decides to make banana bread. Feeling disappointed that she missed JOHANNA last week with the cookies, she packs up some of the bread to take her instead.][Before going to sleep, LAUREN spends some time drawing. She sends it to HANA for her birthday.]

 

Comment Lauren McCarthy:

As the group of people that know about this project expands, more interesting things begin to happen. Today a girl from my psychology class wrote a “first real conversation” into my script and it happened. This is what this project is about! Rethinking our interactions and patterns and imagining the possible deviations and what interesting things might come from them. The lines between performance and life, internet and physical world begin to blur further. If two people meet in this way, how does that affect how they get to know each other?The frequent thought stage directions appearing in my script are also of interest. Can you tell someone what or how to think? The easy answer seems to be no, but I find myself coming back to the directions throughout the day. Walking to class thinking about how this project might be dumb or worrying about what I’m doing in general with everything, I suddenly remember that I’m not supposed to worry and just be walking, and that somehow works for me to some degree. I agree to put off the worries for a day and deal with them tomorrow, but then find the tomorrow script contains a similar instruction. It sounds very trivial but it doesn’t feel that way.

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Auch eine Art Tagebuch…

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Kochtagebuch

Fotostream der Website «Kochtagebuch.de», auf der jeden Tag ein neues Rezept inklusive Foto veröffentlicht wird:

http://www.flickr.com/photos/tags/kochtagebuch

Endless wisdom in Snooki’s Video Diary

Video-Tagebuch des Reality-TV-Sternchen Snooki:

http://www.youtube.com/watch?v=p9vhEBVs4HQ

Cat Diaries

Crazy Stuff!!!

«Wo waren Ihre Katzen oder Ihr Hund unterwegs? Was haben Sie unterwegs erlebt? Die Haustierkamera – wird es Ihnen sagen. Sie hängen die robuste kleine Fotokamera Ihrem Liebling einfach an sein Halsband und die Haustierkamera schiesst Fotos oder macht Filme direkt aus der Perspektive Ihres Tieres.Vorbei ist das Rätseln, wohin «Schnurrli» oder «Fido» hinverschwinden, wenn sie aus Ihren Augen sind. Eine ultrakompakte Haustierkamera wie z. Bsp: «Pes‘ Eye View Camera» geht mit ihrem tierischen Freund überall hin und schiesst dabei zuverlässig Fotos und produziert kleine Filme, die Sie anschliessend bequem an ihrem Computer (PC oder Apple Macintosh) betrachten. Natürlich braucht es dazu ein USB.Erleben Sie das Abenteuer Ihrer Haustiere ganz nah und in Farbe auf Ihrem heimischen Computer und klären Sie die letzten wahren Geheimnisse Ihres Büsis und Ihres treusten Freundes. Sie werden Ihren Spass dabei haben?!?!?!Auch sehr zum Experimentieren für Kinder geeignet!!! Pädagogisch wertvoll???!!! Grösse: BxH 5 cm. Gewicht ca. 30 g. Bildauflösung 640×480 Pixel. Nach ca. 24 h muss die Kamera zum Aufladen an einen Computer angeschlossen werden, um die nächsten 24 h zu dokumentieren. Viel Spass bei der Überwachung eurer Liebsten!!!»

von anonymous

http://www.youtube.com/watch?v=k0PduP7PXx0

09h09: Ein Mann und seine Kamera – seit 10 Jahren

Jean-Michel Gobet fotografiert sich seit 10 Jahren jeden Tag pünktlich um 9:09 und zeigt die Bilder online:

http://www.09h09.com/

Einblick in ein fremdes online-Tagebuch

Online-Tagebuch von «WiChrina992»:

http://online-diaries.de/diary/WiChrina992/show/89188

Rubrik «Ein Tag im Leben von» des Magazins des Tagesanzeigers

Das Tagebuch des schweizerischen Alltags.

Zum Beispiel:
Betina Staubli, 45, Clownin
Thomas Schenk, 37, früher Journalist, heute Tramfahrer
René Muhmenthaler, 45, Simultandolmetscher
Manuela Binggeli, 21, angehende Hebamme

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Literatur aus Zettel, Brief und Tagebuch

Falko Hennig und Robert Weber haben aufgelesen und zusammengetragen zu einer Geschichte der Liebe, die hundert Jahre umspannt: von Feldpostbriefen aus dem Ersten Weltkrieg zu E-Mails von heute. Die Mitteilungsformen haben sich im Laufe der Zeit geändert, doch die Gefühle sind die gleichen geblieben.

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Briefe, Zettelbotschaften, Tagebücher – all das ist nicht wirklich Weltliteratur.

Sie hängen als Zettel an Laternenpfählen und Haustüren, schlummern als Briefe und Tagebücher auf Dachböden, in Kellern und den hintersten Winkeln der Flohmärkte, sie werden achtlos weggeworfen, im Zorn zerrissen, landen in Pfützen, im Dreck oder im Altpapier, unbeachtet, vergessen – Dokumente der Liebe. Falko Hennig und Robert Weber haben sie aufgelesen und zusammengetragen zu einer Geschichte der Liebe, die hundert Jahre umspannt: von Feldpostbriefen aus dem Ersten Weltkrieg zu E-Mails von heute. Die Mitteilungsformen haben sich im Laufe der Zeit geändert, doch die Gefühle sind die gleichen geblieben. Anhand einzigartiger, sehr persönlicher Schriftstücke von ganz normalen Menschen wird Einblick gewährt in fremde Biographien und vergangene Lebenswelten. Das ist manchmal tragisch, oft anrührend und immer auch ein wenig amüsant.

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Sammlung klassischer Tagebücher

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Mega-Kunstraub: was passiert mit den geklauten Meisterwerken?

Die gestohlenen Gemälde sind ab sofort «heisse Ware», als gestohlen gemeldet – an einen sofortigen Verkauf ist nicht zu denken, höchstens an Erpressung.

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Die Kunstwelt unter Schock: Sieben wertvolle Gemälde wurden aus der Kunsthalle in Rotterdam gestohlen. Picasso, Monet, Matisse – einer der grössten Kunstraube aller Zeiten. Und der frechste! Was passiert mit den Meisterwerken?

Die sieben gestohlenen Werke, die einen potenziellen Wert von mehreren Millionen Euro haben, sind weltberühmt und gelten als unverkäuflich. Es handelt sich um Pablo Picassos Tête d’Arlequin (1971), Claude Monets Waterloo Bridge, London (1901) und Charing Cross Bridge, London, Henri Matisses La Liseuse en Blanc et Jaune (1919), Paul Gauguins Girl in Front of Open Window (1898), Meyer de Haan’s Self-Portrait (um 1890) sowie Lucian Freuds Woman with Eyes Closed (2002). 

Die gestohlenen Gemälde sind ab sofort „heisse Ware“, als gestohlen gemeldet – an einen sofortigen Verkauf ist nicht zu denken, höchstens an Erpressung. War ein gieriger Sammler der Autraggeber?

Unwahrscheinlich, meint Victorine Stille, Kunstdetektivin bei der weltgrössten Datenbank für gestohlene Kunstwerke „Art Loss Register“ in Köln. Sie erklärte „Zeit Online“: „Wir haben in der jüngeren Vergangenheit 2000 Fälle untersucht und hatten letztlich nur zwei Mal einen solchen Auftraggeber im Hintergrund.“

WAS JETZT PASSIERT… NICHTS?

Oftmals verschwinden so wertvolle und bekannte Kunstwerke zunächst in irgendeinem Tresor oder Keller – für Monate, nicht selten für Jahre. Die neuen Besitzer halten sie zurück und hoffen, dass der Diebstahl in Vergessenheit gerät. Erst dann versuchen sie ihr Glück auf dem Kunstmarkt.

Auch Vincenzo Peruggia, der vor rund 100 Jahren das berühmteste Gemälde der Welt, Leonardo da Vincis „Mona Lisa“, aus dem Louvre stahl, verliess sich auf die Zeit: Zwei Jahre lang lag die unschätzbare Kostbarkeit im doppelten Boden seines Koffers in seiner Pariser Wohnung – bis er beim Verkauf festgenommen wurde.

KUNSTWERKE WERDEN WÄHRUNG

Bilder seien oft auch eine Art Währung im Waffen- und Drogenhandel, sagte Julian Radcliffe, Präsident des „Art Loss Registers“ in London laut der Zeitung „DIE WELT“. Die Werke kursieren demnach so lange in kriminellen Kreisen, bis jemand sich traut, sie zum Kauf anzubieten. Ein simpler Tausch, immer wieder: Ware gegen Kunst.

Letztlich bliebe für die Diebe nur die Möglichkeit, das Museum oder die Versicherer zu erpressen sagte Julian Radcliffe weiter. Bei einem Verkauf auf dem Schwarzmarkt müssten sich die Kriminellen mit Einnahmen zufrieden geben, die deutlich niedriger seien als der Wert der Werke.

Robert Wittman, FBI-Experte für Kunstraube, hält einen Verkauf ebenfalls für ausgeschlossen. „Die Diebe werden die Bilder auf keinem Markt verkaufen können, sei es der Schwarzmarkt oder irgendein anderer“, sagte der US-Amerikaner im Interview mit The Atlantic. Wittman blickt auf mehr als 20 Jahre als Ermittler zurück. Bei Kunstrauben dieser Grösse ständen die Diebe oft vor einem Dilemma, sagte er: In den meisten Fällen seien die Täter zwar exzellente Diebe, aber hätten nicht die nötigen Kenntnisse, um die Beute zu Geld zu machen. 

Radcliffe erklärte: „Bleiben Gemälde länger als 20 Jahre verschwunden, tauchen nur noch 20% wieder auf.“

Bestes Beispiel: Pablo Picasso. Laut „Daily Mail“ sind in der Datenbank von „Art Loss“ bislang unglaubliche 1147 Picasso-Werke als gestohlen gemeldet – so viele wie von keinem anderen Künstler. Seit sein Gemälde „Tête d’Arlequin“ am Dienstag aus der Kunsthalle in Rotterdam gestohlen wurde, ist es eines mehr.

Manchmal sind solche grossen Coups aber auch nur seltsame Mutproben: 2004 wollte eine Gruppe gerissener Diebe anderen Gaunerbanden zeigen, wie professionell sie arbeitet – und raubte am helllichten Tag Edvard Munchs weltberühmten „Schrei“ aus einem Museum. Das eigentliche Kunstwerk ist dabei kaum von Bedeutung. Drei Jahre später tauchte das Bild stark beschädigt wieder auf, die Täter kamen in Haft.

„Rund 20 Prozent der gestohlenen Gemälde werden zerstört – entweder versehentlich oder mit voller Absicht, wenn der Besitz der Bilder zu heiss wird. Weitere 20 Prozent behalten die Diebe selbst, um sie wenn nötig als Druckmittel einzusetzen, falls sie wegen anderer Vergehen festgenommen werden“, sagte Radcliffe.

UNVERHOFFTE GLÜCKSFÄLLE

Selten tauchen gestohlene Werke auch nach vielen Jahren wieder auf. 42 Jahre dauerte es, bis das Gemälde „Electric Cord“ des amerikanischen Pop-Art-Künstlers Roy Lichtenstein zurück zu seinem rechtmässigen Besitzer fand. Leo Castelli hatte das Bild zur Reinigung an einen Restaurator übergeben und nicht zurückbekommen. Erst Jahre später fand es die Witwe des mittlerweile gestorbenen Restaurators in dem Spind eines seiner Angestellten.In diesem außergewöhnlichen Fall ein Segen, dass das Gemälde so lange eingestaubt war: Castelli hatte es in seinem Entstehungsjahr 1961 für 750 US-Dollar gekauft – heute wird sein Wert auf rund vier Millionen US-Dollar geschätzt.

© die Zeit, Zeitverlag
Gerd Bucerius GmbH & Co. KG

 

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Recherche
Hin Van Tran

Secondary Market

Diskretion ist das wichtigste Gebot im globalen Kunstmarkt.

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Diskretion ist das wichtigste Gebot im globalen Kunstmarkt. Der Prozess gegen Larry Gagosian gibt Einblicke in die Mechanismen des milliardenschweren Kunsthandels sowie die zweifelhaften Geschäftspraktiken des mächtigsten Galeristen der Welt. Gagosian hat sich auf den sogenannten secondary market spezialisiert, bei dem der Galerist als Käufer und Verkäufer von etablierter Kunst auftritt. Er hat den Ruf, dass er jedes Bild besorgen könne. Dabei kommt es schon mal vor, dass er eine 100-prozentige Vermittlungsgebühr einkassiert und Kommissionsgeschäfte tätigt, bei denen er beide Parteien gleichzeitig vertritt.

http://www.zeit.de/2012/47/Kunstmarkt-Galerist-Larry-Gagosian
http://de.blouinartinfo.com/news/story/839665/larry-gagosian-verteidigt-seine-geschaftspraxis-und-was-lernen
http://de.blouinartinfo.com/news/story/857577/gagosian-verliert-zweiten-prozess-um-unrechtmassig-verkauften
http://www.welt.de/kultur/kunst-und-architektur/article113386596/Galeristen-Koenig-verhaelt-sich-wie-Schulhof-Rowdy.html
http://www.art-magazin.de/div/heftarchiv/2003/5/EGOWTEGWPPEPSPOGWTRWOPSA/Dubiose-Scheingesch%E4fte
In der Monopol-Ausgabe Februar 2013 gibt es ebenfalls einen längeren Artikel zu Fall Larry Gagosian.
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Tipp
Hin Van Tran

Was wir Dada nennen

Was wir Dada nennen, ist ein Narrenspiel aus dem Nichts, in das alle höheren Fragen verwickelt sind …

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«Was wir Dada nennen, ist ein Narrenspiel aus dem Nichts, in das alle höheren Fragen verwickelt sind …»

Hugo Ball

 

«Freiheit: Dada, Dada, Dada, aufheulen der verkrampften Farben, Verschlingung der Gegensätze und aller Widersprüche, der Grotesken und der Inkonsequenzen:? Das Leben.»

Tristan Tzara

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Interview
Hin Van Tran

30 Fragen an Philipp Meier

18. Wofür haben Sie sich zuletzt entschuldigt?
bestimmt dafür, dass ich zuhause nicht genug zum haushalt beitrage

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30 Fragen an den künstlerischen Leiter des Zürcher Cabaret Voltaire

 

1. Wie geht’s?
gut

2. Was ist für Sie das grösste irdische Glück?
gibt es nicht

3. Was ist Ihnen Wurst?
das grösste irdische glück

4. Welche Fehler können Sie nicht verzeihen?
keine

5. Ihre liebste Comic-Figur?
princess mononoke

6. Ihre meist gehasste Fernsehsendung?
oh, gibt es leute, die noch tv schauen?

7. Ihre Lieblingssendung?
facebook

8. Wann haben Sie sich zuletzt selbst gegoogelt?
vor ein paar monaten (und gemerkt, dass ein namensvetter barista schweizer meister ist)

9. Ihr/e Lieblingsheld/in im Film?
driss

10. Welche Kunstausstellung haben sie zuletzt besucht?
dada new york III: the metaphysics of sitting / cabaret voltaire

11. Auf welche Musik können Sie am ehesten verzichten?
oper

12. Welche Eigenschaft schätzen Sie an sich selber am meisten?
naivität

13. Welche der sieben Todsünden wird überschätzt?
uff. kenne sie nicht auswendig. hm. die lust?

14. Welches ist ihre liebste passive Beschäftigung?
facebook

15. Mit welcher literarischen Figur können Sie sich identifizieren?
ich lese so gut wie keine bücher

16. Was schätzen sie an ihren Freunden am meisten?
dass man sich nicht oft sehen muss und trotzdem freunde bleibt

17. Ihre grösste Leistung?
kinder aufziehen (ständig hart am abgrund des scheiterns; noch nicht abgeschlossen…)

18. Wofür haben Sie sich zuletzt entschuldigt?
bestimmt dafür, dass ich zuhause nicht genug zum haushalt beitrage

19. Ihr Lieblingswort?
irgendwie

20. Was macht Sie nervös?
auftritte

21. Worauf können Sie verzichten?
auf diese frage

22. Welchen Roman der Weltliteratur haben Sie nicht zu Ende gelesen?
da gab es bestimmt welche…

23. Welchen hätten Sie gerne selbst geschrieben?
keinen

24. Was lesen Sie im Moment?
das internet

25. Wen würden Sie gerne einmal persönlich treffen?
mehr afrikaner

26. Welche natürliche Gabe würden Sie gerne besitzen?
sprachen spielend lernen

27. Ihr Lieblingsfluchwort?
shit? (muss mich mal darauf achten…)

28. Ihre liebste Frauenfigur der Literatur?
mist. Ist das ein fragebogen für ein litaraturmagazin? regula stämpfli

29. Wie möchten Sie sterben?
schmerzfrei

30. Und dann?
werde ich verbrannt (wahrscheinlich)

Philipp Meier ist künstlerischer Leiter des Zürcher Cabaret Voltaire, der als Geburtsort des Dadaismus Eingang in die Literaturgeschichte gefunden hat und 2004 nach jahrzehntelanger Schliessung wiedereröffnet wurde. Der Club wird von vielen namhaften in- und ausländischen Künstlern (z.B. Jonathan Meese) unterstützt und organisiert Ausstellungen, Lesungen und Konzerte.
Sound Tossing
Sound Tossing
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Tipp
Hin Van Tran

Lärm+Lärm = Kunst

Soundtossing – eine Art Guerilla-Strassenkunst

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Sound Tossing

Künstler und Architekten nutzen den öffentlichen Raum immer mehr als akustische Bühne. Noch nicht lange auf der Hörfläche ist das «Soundtossing», eine Art Guerilla-Strassenkunst. Lautsprecher werden im öffentlichen Raum angebracht, die dann ihre Geräusche in die Umwelt abgibt.

Dokumentation: Es lebe die Stadtmusik

Hyperlink: Sound Tossing

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Tipp
Hin Van Tran

Silent Video

Auf der Berlinale feierte der Film «Marina Abramovic. The Artist Is Present» Europa-Premiere. Im Anschluss lud die Künstlerin in die KW-Berlin zu einer «Silent Party».

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Auf der Berlinale feierte der Film «Marina Abramovic. The Artist Is Present» Europa-Premiere. Im Anschluss lud die Künstlerin in die KW-Berlin zu einer «Silent Party». Monopol TV hat den Abend dokumentiert – und mitgeschwiegen.

Hyperlink: Monopol TV

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Tipp
Hin Van Tran

Beat of the Day

«Beim Beatboxing oder Beatboxen werden Drumcomputerbeats – zuweilen auch Scratches oder Schlagzeug- und andere Perkussionsrhythmen, seltener auch weitere Instrumente und andere Klänge – mit dem Mund, der Nase und dem Rachen imitiert.»

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«Beim Beatboxing oder Beatboxen werden Drumcomputerbeats – zuweilen auch Scratches oder Schlagzeug- und andere Perkussionsrhythmen, seltener auch weitere Instrumente und andere Klänge – mit dem Mund, der Nase und dem Rachen imitiert.»

Hyperlink: Wikipedia Beatboxing


Beatbox Tutorial Folge 1: Die Bassdrum
Beatbox Tutorial Folge 2: Die Hi-Hat
Beatbox-Tutorial Folge 3: Die Snare
Beatbox-Tutorial Folge 4: Das Echo
Beatbox-Tutorial Folge 5: Die Atmung
Beatbox-Tutorial Folge 6: schnelles Sound-Set
Beatbox-Tutorial Folge 7: BONKA!
Beatbox-Tutorial Folge 8: «Bist Du bekifft?»
Beatbox-Tutorial Folge 9: Beat mit Melodie
Beatbox-Tutorial Folge 10: Vokabelsammlung
Beatbox-Tutorial Folge 11: Spaziergang durch den Mund
Beatbox-Tutorial Folge 12: Sounds für den Alltag
Beatbox-Tutorial Folge Folge 13: Soundeffekte für den Alltag
Beatbox-Tutorial Folge Folge 14: Musikalische Grundausrichtung
Beatbox-Tutorial Folge 15: Nutze Deinen Atem

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Texte et interview
Hin Van Tran

Lord of Sounds + Foley

Foley is a term that describes the process of live recording of sound effects that are created by a Foley artist […]

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«Foley is a term that describes the process of live recording of sound effects that are created by a Foley artist, which are added in post production to enhance the quality of audio for films, television, video, video games and radio.»

Hyperlink: Wikipedia Foley 

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Tipp
Hin Van Tran

Wie Sie Sprechblasen anpieksen

Sie kennen sie bestimmt – die scheinbar so Redegewandten, also die Menschen, die Sprache als Waffe einsetzen und andere dadurch ausgrenzen, nicht zu Wort kommen lassen oder übergehen.

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Sie kennen sie bestimmt – die scheinbar so Redegewandten, also die Menschen, die Sprache als Waffe einsetzen und andere dadurch ausgrenzen, nicht zu Wort kommen lassen oder übergehen.Sie begegnen ihnen nicht nur in der Schule, im Beruf oder in der Freizeit; auch im Fernsehen scheinen z. B. die meisten Politiker nur noch wie auf Knopfdruck geschwollenes Zeug zu reden. Vielleicht hinterlassen Begegnungen oder Konflikte, die Sie mit solchen Phrasendreschern hatten, ein ungutes Gefühl bei Ihnen, und Sie fragen sich vielleicht: «Wie kommt man dagegen an?» Gegen die folgenden Scheinargumente, die Sie in den kommenden Wahlkampfwochen sicher öfter hören werden, ist scheinbar kein Kraut gewachsen:

Nr.1: Ihr Vorschlag ist völlig unrealistisch!

Nr.2: Wären Sie so lange wie ich in der Politik tätig, würden Sie wissen, dass…

Nr.3: Ich hege natürlich große Sympathie für Ihren Vorschlag, aber ich sehe einfach nicht, wie wir das durch den Ausschuss bekommen sollen!

Nr.4: Ich sage Ihnen das ganz ehrlich, und Sie müssen auch sehen, dass ich in der Verantwortung, in der ich stehe, gar nicht anders kann, als…Kommen Ihnen solche Aussagen bekannt vor? Sie hören sich zunächst undurchdringbar an, sind aber relativ einfach auszuhebeln, wenn Sie sich nicht von rhetorischen Nebelwerfern einschüchtern lassen:Mit Killerphrasen wie dem ersten Satz (oder Formulierungen wie Das ist Quatsch! Sie haben doch keine Ahnung!) will man Sie als ernst zu nehmenden Gesprächspartner ablehnen. Warum sollten Sie das zulassen? Und warum versucht der Gesprächspartner, Sie so vehement loszuwerden? Eine sachliche Nachfrage, was an Ihrem Vorschlag von dem Gesprächspartner als schwer realisierbar angesehen wird, und Sie sind wieder im Boot.Zum Ausspielen von Alter/Erfahrung/Wissen (diese Technik wird von älteren Vereins- und Parteivorsitzenden immer wieder gern eingesetzt) wie im zweiten Satz, gehört immer jemand, der sich klein und unerfahren machen lässt.Doch Unerfahrenheit muss kein Nachteil sein, und ein Recht auf alleinige Entscheidungen der Erfahrenen gibt es dafür auch nicht. Mögliche Nachfrage Ihrerseits: «Was wäre denn mit Ihrer langjährigen Erfahrung Ihr Vorschlag, wie wir das Vorhaben umsetzen könnten?» – Und schon haben Sie den Gesprächspartner im Boot.Umarmungsstrategien wie in Beispiel drei hören sich erst einmal sehr positiv an, verschieben aber die Verantwortung an andere Stellen. Mit einer Nachfrage wie: «An welcher Stelle können Sie denn dann Ihren Einfluss auf unseren Vorschlag geltend machen?», nehmen Sie den Gesprächspartner beim Wort und schaffen sich vielleicht einen wirklichen Verbündeten.Kompliziert wird es eigentlich nur bei Vernebelungsstrategien wie im vierten Beispiel. Sie haben diesem Redner schon 15 Sekunden zugehört und immer noch keine Ahnung, worauf er mit seinem Satz hinaus will? Auf dieses Gefühl sollten Sie achten – und nicht etwa denken, dass es an Ihnen liegt, wenn das Gesagte unverständlich ist.Diese Strategie können Sie mit einfachen Nachfragen kontern: «Ich habe Sie nicht verstanden. Können Sie mir noch einmal in einfachen Worten erklären, welches Ihr Standpunkt ist?»

Dieser Artikel und weitere zum selben Thema sind zu finden unter: http://www.redenwelt.de/einzelansicht/tipp/wie-sie-sprechblasen-anpieksen.html
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Tipp
Hin Van Tran

Zweckentfremdete Comics

Comics der Situationistischen Internationale.

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1964 verschickte die Situationistische Internationale zweckentfremdete erotische Comics als Postkarten gegen die Diktatur von Franco nach Spanien. Die Situationisten haben die Texte bestehender Comics mit ihren Parolen ersetzt.

Patricia Schneider hat sich im Rahmen einer Arbeit zu der Situationistischen Internationale (1957–72) mit diesen Comics beschäftigt.

Verschiedene Comics aus «Leaving the 20th century: The Incomplete Work of the Situationist International».

Quelle: http://www.flickr.com/photos/didgebaba/sets/671958/with/29945360/

   

Mitte der 1950er Jahre entstand die Situationistische Internationale (S.I.), die frühzeitig einiges von dem theoretisch vorwegnahm, was später praktisch die 1968er-Bewegung kennzeichnen sollte: Eine radikal-moderne Infragestellung der kapitalistischen Gesellschaft. In den drei Jahren vor ihrer Auflösung 1972 sollte die S.I. wiederum zur schärfsten Kritikerin der Kurzatmigkeit jener Bewegung werden. Waren die SituationistInnen ursprünglich künstlerisch tätig, lösten sie sich von der Beschränkung auf diese Sphäre, weil sie eine «Verwirklichung der Kunst» nur im Umsturz der Gesamtheit der Verhältnisse für möglich sahen. Beeinflusst von Henri Lefèbvres «Kritik des Alltagslebens», von Dadaismus und Surrealismus unterzogen sie das Marxsche Werk, insbesondere die Frühschriften, einer intensiven Relektüre.

Weiter Informationen zur Situationistischen Internationalen unter: SI Revue

New York
New York
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Tipp
Hin Van Tran

Sharon Hayes – «In the Near Future»

«In the Near Future» ist eine performancebasierte Arbeit der amerikanischen Künstlerin Sharon Hayes, in welcher sie anachronistische und spekulative Protestaktionen inszeniert und mittels derer sie die Figur des Protestierers, den Sprechakt des Protestschildes und die zeitgenössischen politischen Konstruktion von öffentlichem Raum und Rede hinterfragt.

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Die Arbeit In the Near Future ist in vier verschiedene Abschnitte unterteilt, welche an Orten stattfinden, die eine aktuelle oder historische Bedeutung für die öffentliche Rede oder den öffentlichen Protest haben. Hierfür wählte Hayes vier Städte in der USA und Europa: New York, London, Warschau und Wien. Ein Publikum wurde eingeladen, um diese Aktionen zu dokumentieren. Manche der Plakate, die Hayes hält, stammen aus älteren Protestaktionen: »Ratify the E.R.A. Now!» «Who Approved the War in Vietnam?» «I Am A Man,» «Abolish H.U.A.C.». Weitere Schilder sind fiktional und wollen auf eine zukünftige Situation hindeuten oder auf Möglichkeiten, die schon in der Gegenwart exist- ieren: «Nothing Will Be As Before,» oder «The American President Might Have to Call in the National Guard to Put This Revolt Down.» Die performativen Aktionen aus In the Near Future sollen keine Wiederbelebungsversuche vergangener Proteste sein, sondern wirken vielmehr als eine Art Zitat, welches sowohl die Erinnerung eines vergangenen Protests, als auch die Möglichkeit eines zukünftigen bezeichnen.

In In the Near Future nutzt Hayes das kritische Potential der Performance und die Wiederaufnahme verschiedener historischer Reden und Ausdrucksformen, um unsere Teilnahme am gegenwärtigen politischen Diskurs – sowohl als Sprechende als auch Zuhörende – zu analysieren.

Sharon Hayes, 1970 in Baltimore geboren, lebt und arbeitet heute in New York. Sie studierte an der University of California, Los Angeles, wo sie ihren Masterabschluss machte, und nahm am Independent Study Programm des Whitney Museum of American Art teil. Sharon Hayes’ Arbeiten sind bekannt durch Ausstellungen wie der documenta 12 und in: Generali Foundation, Wien; P.S.1 Museum of Contemporary Art, New York; Museum Moderner Kunst (MUMOK), Wien; The Warhol Museum, Pittsburgh; Artists Space, New York; Art-in-General, New York; und New Museum of Contemporary Art, New York.

© Copyright by the artist Sharon Hayes and Tanya Leighton

 New York 

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Tipp
Hin Van Tran

Geschichten mit ein paar wenigen Zeichen

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Die häufigsten und gebräuchlichsten SMS Zeichen, Emoticons und Smileys:

!-( Blaues Auge, Veilchen
#-) Was für eine Nacht!
#*) Nacht noch nicht vorbei, völlig betrunken
#:-) Ahnungslos, naiv
$-) geldgierig, geldgieriger Smiley oder auch Hurra, im Lotto gewonnen
%-( Verwirrt oder Brille kaputt oder konfus
%-) schielen, Smiley schielt oder beschwipst
%-\ betrunken oder übermüdet oder verkatert
%-^ Picasso, Pablo Picasso
&-| Tränen in den Augen
(#):-)  Chaotisch
(-) Smiley hat Haarschnitt nötig
(*_*)  Strahlendes Lächeln, strahlt vor Glück
(-: Linkshänder, linkshänder Smiley mit guter Laune
(:-$ Krank
(:-& Wütend
(:-( traurig, sehr traurig
(:-) Smiley hat Glatze oder trägt Helm oder Smiley ist überrascht
(:I Smiley ist ein Eierkopf
-)  Zuzwinkern oder hochnäsig
.-) lachender Zyklop oder einäugiger Smiley
…—… S.O.S. (Notruf) als Morsezeichen
:-! Raucher oder Übelkeit, dem Smiley ist übel
:-“ schmollender oder pfeifender Smiley
:-# Smiley trägt eine Zahnspange oder geheim oder Smiley schweigt
:-$ Smiley ist krank
:-& Smiley ist sprachlos oder Zunge ist verknotet
🙁  Smiley ist traurig oder schlechte Laune
:‘-( weinen, Smiley weint
🙁 Traurig, trauriger Smiley, unglücklich
:-(*) Mir ist schlecht, mir ist übel, kranker Smiley, sich übergeben
🙂  Gute Laune, lachender (Zwerg) Smiley
:‘-) Smiley weint vor Freude
🙂 Lachen, lachender Smiley, gute Laune (Ursprungsform)
:-)(-:   Kuss, Küsschen
:-)) Sehr glücklich, Steigerung von 🙂 oder Smiley hat Doppelkinn
:-)~ Smiley sabbert oder erkältet oder streckt Zunge raus
:-)8 Smiley trägt eine Fliege
:-)-8 Smiley ist eine Frau, Smiley ist ein grosses Mädchen
:-)ss Smiley erzählt nur Mist
:* Kuss senden, küssen
:-* Küsschen, Kuss, küssender Smiley oder Smiley hat was Saures gegessen
:*) Smiley ist betrunken
:*} Betrunkener Smiley
:,( Smiley weint
:-/ Smiley ist skeptisch, unentschlossen
:-: Smiley ist ein Mutant
::-) Brillenträger, Smiley mit Brille
😕 Smiley raucht eine Pfeife, Pfeifenraucher
:?) Smiley ist Philosoph
:-@ wütend, brüllend, schreiend
:@) Schweinchen, Schwein, Glück. Smiley ist ein Schwein
:-[ Vampir oder Smiley schmollt
:-\ Smiley ist skeptisch, unentschlossen
:^) Smiley hat eine gebrochene Nase oder Stupsnase oder lange Nase
:-` Kaugummi kauen
:-{) Smiley trägt einen Schnurrbart, Oberlippenbart, Schnauz
:-{} Smiley trägt Lippenstift oder mit dicken Lippen
😐 Ernst, grimmig, gleichgültig, schweigend
:-} Schmunzeln oder Smiley mit schönen Lippen
:~( heulender, trauriger Smiley oder Smiley mit Nasenbeinbruch
:~-( Heulen, heulender Smiley
:~) Nase tropft, Smiley hat Schnupfen, Smiley hat sich erkältet
:-~) Nase tropft, Smiley hat Schnupfen, Smiley hat sich erkältet
:~-) Vor Freude weinend
:-~/ verschnupft
:’-( Weinen, weinender Smiley
:=) Smiley hat zwei Nasen oder breite Nase
:-> Zynisch, sarkastisch
:-7 Ironisch, Smiley hat ironische Bemerkung gemacht
:8) Smiley ist ein Schwein oder Miss Piggy
:-9 Smiley leckt sich die Lippen, lecker
:-B Begeisterung, begeisterter Smiley oder Smiley ist verschwiegen
:-c Unglücklich, unglücklicher Smiley
:-C Sehr unglücklich, sehr unglücklicher Smiley, deprimiert
😀 Gelächter
😀 Lautes Lachen
:-e Smiley ist enttäuscht
:-I Gleichgültig oder Smiley schläft
😮 Erschreckt, erschreckter Smiley oder erstaunter Smiley
:O Schreiend, Smiley schreit
:-O Erstaunt, erstaunter, verblüffter Smiley
:o) Freude, gute Laune
:-p Zunge rausstrecken
😛 Zunge rausstrecken. Smiley zeigt die Zunge oder Kein Kommentar
:-Q Raucher, Smiley ist Raucher, rauchen
:-s ich verstehe nicht
:-S Unverständliche Aussage, ich verstehe nicht
:-t bitteres Lächeln oder Smiley ist beleidigt
:-T Smiley mit Pokerface oder meint es ernst
:-V Smiley flüstert oder Schreiender Smiley von der Seite
😡 Schweigen oder Kuss, Küsschen
:-X Schweigen, schweigender Smiley oder Kuss
;-( Weinen, weinender Smiley
😉 Augenzwinkern, zwinkender Smiley
@:-) Smiley trägt einen Turban
@->–  Rose
[:-) Smiley trägt eine Walkman, Kopfhörer, MP3 Player, iPod
[:] Smiley ist ein Roboter
[]  Umarmung
{:-)     Smiley trägt ein Toupee, Toupeeträger
|-0 gelangweilt
|-O Schlafen und Schnarchen oder gähnen
}:-( Smiley mit ungepflegtem oder verrutschtem Toupee
+-:-)   Papst, Priester, kirchlicher Würdenträger
<:-(     Enttäuscht, Smiley ist enttäuscht
<:-) Besserwisser oder Clown
<:-I Dummkopf oder Ignorant
=:-o Smiley ist erschrocken oder verblüfft
=:-O   Smiley ist geschockt oder erschrocken oder verblüfft
>:) Teufel, Smiley ist ein kleiner Teufel
>:-<   Ärgerlich, verärgert, wütend
😎 Brillenträger oder Smiley trägt eine Sonnenbrille
8:-) kleines Mädchen mit Haarschleife
8-?     Smiley versteht die Welt nicht mehr
8-o Erstaunt, erstaunter Smiley
😯 Oh nein oder gutgläubig
B-) ich trage Sonnenbrille oder cool oder trägt Hornbrille
B:-) Smiley trägt Sonnenbrille auf der Stirn
C=:-)  Ein Koch, Chefkoch
d:-) Smiley trägt Mütze, Arbeiter, Baseballkappe
o-) Zyklop
O-) Smiley ist Taucher
o:-) Engel, heilig, Heiliger
O:-) Engel, heilig, Heiliger
Q:-) Prüfung bestanden

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Recherche
Petra Dollinger

Typomotion – The Child

The materialization of text in an urban landscape is nowhere more in evidence than in French designer Antoine Bardou-Jacquet's video for Alex Gopher's The Child.

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Text as urban landscape

The materialization of text in an urban landscape is nowhere more in evidence than in French designer Antoine Bardou-Jacquet’s video for Alex Gopher’s The Child. Bardou-Jacquet’s all-textual rendering of New York city borrows its basic concept from Jeffrey Shaw’s Legible City project from the late 1980s, while stripping narrative volition away from the viewer. Whereas Shaw’s project allows reader-users to simulate moving through geographically and architecturally correct streets of Amsterdam, Manhattan, or Karlsruhe on a stationary bicycle while reading the text of a story mapped onto buildings in the city, The Child delivers a high-speed chase through the streets of New York City with both landmarks and people rendered as all text. The tension that exists in these works hinges on the conflict between real and constructed environments, as well as the insistent interplay of surface and depth.

Quelle: http://criticalcommons.org/Members/adiab/clips/MV_Antoine_TheChild.mov/view

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Tipp
Hin Van Tran

Tags und anderes «Geschmiere»

Das Wort und die Buchstaben. Beim Schreiben der Buchstaben ging es schon auch um die Wörter, die sie bildeten. Aber die Wörter waren nicht als Begriffe gemeint, sondern als Namen, als Zeichen. Und oft eben um ein Name, der präsent sein sollte, in einem Milieu, in einer Stadt, überall.

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EL (ein Pseudonym) schreibt über Graffiti in einer Kolumne. Mehr auf: REBEL:ART das internationale Medium und Netzwerk für Culture Jammer & Adbuster, Hacktivisten & Net Aktivisten, Street Artists & Street Vandalen, Post-Dadaisten & Retro-Neoisten, notorische Nervensägen & subversive Störenfriede.

Bitte besucht: www.rebelart.net sehr empfehlenswerte Beiträge.